Was ist Intelligenz?

Ich habe schon geschrieben, dass mir intelligente Frauen besonders gefallen. Was aber ist Intelligenz?

Sie gehört zu diesen Dingen, von denen wir stets genau zu wissen meinen, worum es sich handelt – fragt man uns aber, dann kommen wir in Verlegenheit.

Hypathia, Lise Meitner, Emmy Noether und Jill Tarter waren (bzw. in Tarters Fall: ist) hochintelligent. Paris Hilton dagegen gilt als sehr dumm. Warum – worin besteht der Unterschied?

Man versucht Intelligenz mithilfe des Mensa-Tests zu messen, sie durch einen einzelnen Zahlenwert auszudrücken: dem Intelligenzquotienten (IQ). Um den Mittelwert 100 verteilen sich die Werte in Form einer Gaußkurve: Ab 110 ist man überdurchschnittlich intelligent, ab 130 hochbegabt, ab 150 ein Genie.

Vor einiger Zeit habe ich mich mit Leuten von der Mensa-Gesellschaft (ein internationaler „Begabtenclub“) getroffen. Oh weh waren das größtenteils Pappnasen! Manche glaubten ernsthaft an Astrologie. Andere hatten völlig reaktionäre Vorstellungen. Als ich mich über das Thema Raumfahrt unterhalten wollte, erntete ich sarkastisches Grinsen. Offensichtlich ist der Mensa-Test doch nicht so entscheidend, und ein hoher IQ sagt nicht allzu viel über den Verstand eines Menschen aus.

Vielleicht ist sogar der Begriff Intelligenz falsch gewählt! Vielleicht sollten wir die Qualität, nach der wir suchen, anders umschreiben: Kreativität, Offenheit für Neues, Einfallsreichtum, Erfindungsreichtum, geistige Beweglichkeit… oder sogar: Humor?!

Wir haben heutzutage die traurige Neigung, das Wissen und die Aktivitäten von Menschen in Schubladen zu stopfen: Hier Physik, dort Literatur, dort Philosophie, dort Technik, usw. Von einem Akademiker wird verlangt, eine dieser Schubladen zu beherrschen, und innerhalb von ihr nur den Inhalt einer kleinen Schachtel wirklich gut zu kennen. Platon, Leonardo da Vinci, Goethe hätten ziemlich befremdet dreingesehen!

Ich vermute, dass die geistige Qualität, die wirklich entscheidend ist, darin besteht, nicht nur eine einzige Schachtel in einer Schublade gut zu kennen, sondern sich in mehreren Schubladen zuhause zu fühlen; oder vielmehr: überhaupt keine Schubladen zu benutzen, sondern die Welt als Ganzes in sich aufzunehmen. Dadurch entstehen die wirklich genialen Einfälle und Konzepte.

Warum nicht die Dynamik einer Asteroidenbahn im überlagerten Feld von Sonne und Jupiter als Grundlage für die Struktur einer Sinfonie wählen? Warum sollte man nicht die Handlung einer erotischen Geschichte an die Gesetze der Thermodynamik und Statistischen Physik anlehnen?

Wirkliche Intelligenz besteht meiner Ansicht nach darin, Themengebiete, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, auf faszinierende Art zu verknüpfen, etwas völlig neues zu schaffen und einen außerordentlichen, noch nie dagewesenen Blick auf die Realität zu gewinnen.

Zwei Menschen, die dies auf bemerkenswerte Weise realisieren:

Fiorella Terenzi: „I enthusiastically embrace the fabulous new discoveries of astrophysics, but I do not want to stop there. I want these discoveries to swim in our imaginations, and to open our hearts and minds to new ways of thinking and feeling about life.“

Clifford Pickover: „My primary interest is finding new ways to continually expand creativity by melding art, science, mathematics and other seemingly-disparate areas of human endeavor. I seek not only to expand the mind, but to shatter it.“
Interessant ist auch seine List of 6000 Cool People.

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